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Frauenarztpraxis am Kesselbrink

Krankheitsbilder

Endometriose

Im Jahr werden ca. 20 000 Frauen in Deutschland wegen Endometriose behandelt – die Dunkelziffer ist wahrscheinlich viel höher.
Endometriose ist eine Erkrankung mit Auftreten von Gebärmutter-Schleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle. So kann dies festgestellt werden im Bereich der Bauchhöhle, am Eileiter, auf der Blase oder auf dem Darm. Zusätzlich kann Endometriose zu Zysten an den Eierstöcken führen. Eine spezielle Form stellt die Adenomyosis uteri dar, bei der Endometriose-Herde in der Gebärmutterwand zu finden sind. In sehr seltenen Fällen kann Endometriose auch ein invasives Wachstum zeigen (beispielsweise in die Blase oder Darm) oder sogar außerhalb der Bauchhöhle auftreten (z.B. Lunge). Die meisten Frauen, die unter Endometriose leiden, befinden sich zwischen ihrem 15. und 50. Lebensjahr. Die Ursache für die Entstehung einer Endometriose ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Dazu gibt es verschiedene Theorien. Zum einen die Theorie der retrograden Menstruation – das heißt, dass Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum gelangt und zu Endometriose führt. Eine weitere Theorie ist die Entstehung der Endometriose durch Veränderung des Immunsystems oder auch Hyperperistaltik der Gebärmutter. Dies sind nur einige wissenschaftliche Theorien. Die Symptome sind vielfältig und leider wird bei über der Hälfte der Endometriose-Patientinnen die Diagnose nie oder sehr spät gestellt. Häufige Beschwerden sind Schmerzen vor und bei der Periode, chronische Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Stuhlgang und/oder Wasserlassen und ggf. unerfüllter Kinderwunsch. Diese Symptome können, aber müssen nicht auftreten. Meist wird durch Gespräche über Symptome ein Verdacht gestellt. Im Ultraschall kann man typische Endometriose-Zysten und eine Endometriose der Gebärmutterwand erkennen, jedoch ist Endometriose im Bauchraum nicht mit dem Ultraschall darstellbar. Eine gezielte Diagnose kann oft erst durch eine Bauchspiegelung und gezielte Gewebeentnahme mit nachfolgender Untersuchung durch den Pathologen gestellt werden.
Die Therapie der Endometriose besteht aus drei wichtigen Säulen:

1. Tabletten
  • Schmerztherapie – z.B. Naproxen, Ibuprofen, Paracetamol
  • „Pille“ – die Endometrioseherde werden an ihrer Ausbreitung gehindert
    • primär: Gelbkörperhormonpille – z.B. Dienogest
    • kombinierte orale Kontrazeptiva – die Einnahme sollte, da schmerzreduzierender, im Langzyklus erfolgen
    • GnRH-Analoga: wenn oben stehende Therapien versagen
  • Spirale mit einem Gelbkörperhormon – sinnvoll v.a. bei Adenomyose, Dyspareunie, rectovaginaler Endometriose
2. Operation
3. Psychische Begleitung

Endometriose-Patientinnen haben oft einen hohen Leidensdruck und einen langen Weg bis zur Diagnosestellung. Dies ist der so vielfältigen und oft nicht typischen Beschwerde-Symptomatik geschuldet.

Sprechen Sie uns gerne an und lassen Sie sich von uns beraten!

Polyzystisches-Ovar-Syndrom (PCO)

Das PCO-Syndrom ist eine häufige Hormonstörung der Frau im gebärfähigen Alter. Ca. 8-13 % der Frauen in diesem Alter sind betroffen. Das PCOS ist gekennzeichnet durch ein hormonelles Ungleichgewicht. Typische Symptome sind Zyklusstörungen (unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutungen), Hirsutismus (Behaarungstyp mit männlichem Verteilungsmuster – z.B. an Oberlippe, Kinn, Brust, Oberschenkel, zwischen Nabel und Genitalbereich), Akne, Haarausfall (v.a. an Scheitel und Hinterhaupt) und Erhöhung der männlichen Geschlechtshormone im Blut (Hyperandrogenämie). Oft bestehen Übergewicht und Diabetes.
Als Ursache für oben stehende Symptome kommen auch genetische Erkrankungen (AGS – Adrenogenitales Syndrom), Tumore an Eierstock oder Nebenniere und Medikamente (z.B. Cortison) in Betracht. Sollte sich ein Verdacht bei Ihnen stellen, veranlassen wir eine weiterführende Diagnostik.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist wichtig, da das PCOS chronische Erkrankungen fördern kann (metabolisches Syndrom, Typ II Diabetes mellitus, Blutfettwerterhöhung). Auch kann es zu einer übermäßigen Stimulierung der Gebärmutterschleimhaut und somit langfristig zu einer Entwicklung eines Gebärmutterschleimhautkrebses kommen.

Zwei von den folgenden drei „Rotterdam-Kriterien“ sollten für die Diagnose PCO-Syndrom vorliegen:

  • Unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutungen (Oligo-, Anovulation)
  • Hyperandrogenämie
  • Vermehrtes Auftreten von Eibläschen an den Eierstöcken (> 20 Eibläschen an einem Eierstock oder Volumen des Eierstockes > 20 ml)

In den ersten acht Jahren nach der Menarche (erste Regelblutung) sollte man mit der Diagnose eines PCO-Syndroms zurückhaltend sein, da unregelmäßige Zyklen und das vermehrte Auftreten von Eibläschen am Eierstock normal sein können. Bei allen Frauen mit PCO-Syndrom sollten kardiovaskuläre (das Herzkreislaufsystem betreffende) Risikofaktoren abgeklärt werden. Dazu gehört die Bestimmung des Body-Maß-Index, des Blutdruckes und ggf. Bestimmung der Nüchtern-Blutfettwerte. Zudem empfiehlt sich die Bestimmung eines Langzeitblutzuckerwertes sowie die Durchführung eines Zuckerbelastungstestes (75 g Oraler-Glukose-Toleranz-Test).
Das PCO-Syndrom kann mit einer Insulinresistenz einhergehen, ohne dass ein metabolisches Syndrom vorliegt und ein metabolisches Syndrom muss nicht unbedingt zu einem PCO-Syndrom führen.
Das Risiko an einem Gebärmutterschleimhautkrebs zu erkranken ist bei PCOS 2-6-fach erhöht. Nicht zuletzt deshalb ist eine Zyklusregulierung über kombinierte orale Kontrazeptiva (Pille) oder eine Gelbkörperhormonpille ratsam.
Die Häufigkeit von Körperwahrnehmungsstörungen und Essstörungen ist bei Frauen mit PCOS erhöht. Bei V.a. eine psychische Erkrankung sollte die Vorstellung bei einem Psychologen/-in erfolgen. Bei 75 % der normalgewichtigen und 95 % der übergewichtigen PCO-Patientinnen besteht eine Insulinresistenz. Der Blutzucker kann in der Folge nur unzureichend in die Zelle aufgenommen werden. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme empfohlen. Eine Gewichtsabnahme von 5- 10% des Körpergewichtes kann Symptome des PCOS bereits merklich reduzieren bzw. zu einer Zyklusstabilisierung führen. Hilfreich hierbei zeigen sich eine Ernährungsberatung und regelmäßige körperliche Aktivität. Ein Therapiebaustein im Rahmen einer Gewichtsreduktion kann auch die Einnahme von Metformin sein.
Bei Patientinnen ohne Kinderwunsch ist die Einnahme eines kombinierten oralen Kontrazeptivums empfohlen. Einige dieser „Pillen“ führen zu einer Verminderung der erhöhten männlichen Geschlechtshormone im Blut (antiandrogen). Ferner kommt es in der Folge zu regelmäßigen Zyklen. Sollte es Gründe geben, ein kombiniertes orales Kontrazeptivum nicht einzunehmen, z.B. ein erhöhtes Thromboserisiko oder eine Migräne, stellt auch die intermittierende Einnahme eines antiandrogenen Gelbkörperhormons eine Therapiealternative dar.
Bei bestehendem Kinderwunsch kann die Einnahme von eisprungstimulierenden Medikamenten wie z.B. Letrozol oder Clomifen erfolgen. Sollten diese Maßnahmen erfolglos bleiben, ist auch eine weiterführende Kinderwunschbehandlung (ICSI, IVF) möglich.
Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.

Inkontinenz

1.) Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)

Die Belastungsinkontinenz ist gekennzeichnet durch einen Urinverlust während körperlicher Anstrengung. Die Harnröhre wird während der Belastung nicht ausreichend verschlossen infolge einer unzureichenden Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur. Mögliche Ursachen sind u.a. Übergewicht, Alter und vaginale Geburten (v.a. Saugglocken- und Zangen-Geburten).
Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Schweregrade der Belastungsinkontinenz.

Schweregrad Symptome
Belastungsinkontinenz I° Urinverlust beim Husten, Niesen, Pressen und Lachen
Belastungsinkontinenz II° Urinverlust beim Heben, Laufen und Treppensteigen
Belastungsinkontinenz III° Urinverlust auch im Liegen

Bei beiden Formen der Inkontinenz sollten Grunderkrankungen wie eine Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, neurologische Erkrankungen, Diabetes, metabolisches Syndrom angemessen therapiert werden – dieses kann bereits zu einer deutlichen Symptomlinderung führen. Zunächst stehen konservative Therapieoptionen im Vordergrund. Sollte Übergewicht bestehen, ist ein Gewichtsverlust > 5% empfohlen. Darüber lässt sich bereits eine merkliche Linderung der Beschwerden erreichen. Ferner ist ein Beckenbodentraining empfohlen, um den Schließmechanismus der Harnröhre zu stärken. Dieses lässt sich auch mit einem „Biofeedback“ kombinieren. Hierbei wir die Anspannung des Beckenbodens sichtbar und hörbar gemacht und hilft den Frauen, das bewusste Kontrahieren und Entspannen des Beckenbodens zu kontrollieren.
Bei der Elektrostimulationstherapie, die mit Beckenbodentraining kombiniert werden kann, werden die für die Beckenbodenfunktion wichtigen Muskeln mit leichten elektrischen Impulsen gereizt, so wird eine Kräftigung des muskulären Beckenbodens erzielt.
Eine Therapieoption stellen Pessare dar. Inkontinenzpessare bestehen aus Silikon und werden in Form von Schalen, Würfeln und Ringen angeboten. Sie verändern den Übergangswinkel von der Blase zur Harnröhre so, dass es bei Belastung zu einem verringerten Urinverlust kommt. Auch Inkontinenztampons stützen den Blasenhals.
Bei Frauen in und nach der Menopause (Wechseljahre) gehört eine Östrogenbehandlung der Scheide zur Basistherapie der Belastungsinkontinenz. Diese kann beispielsweise in Form von Zäpfchen erfolgen.
Als medikamentöse Therapie der Belastungsinkontinenz kommt der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Dosierung 80mg/Tag) in Betracht, um die Inkontinenzepisoden zu reduzieren. Aufgrund der ausgeprägten Nebenwirkungen (Übelkeit/Erbrechen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schlaflosigkeit) brechen viele Patientinnen die Therapie ab.
Der Goldstandard zur operativen Therapie der Belastungsinkontinenz stellt die Implantation eines TVT („tension-free vaginal tape“) dar. Über einen kleinen Einschnitt an der vorderen Vaginalwand unter der Harnblase wird ein Polypropylenband in Lokal-, Spinalanästhesie oder kurzer Vollnarkose eingelegt. Die Erfolgswahrscheinlichkeit für diese Operation liegt bei 80–90 % Besserung und Heilung. Eine Alternative zur Therapie der Belastungsinkontinenz stellen „bulking agents“ dar. Dabei wird eine Art Schwellkörper unter die Harnröhrenschleimhaut gespritzt und diese dadurch abgedichtet. Die Operation kann in Lokalanästhesie oder kurzer Vollnarkose erfolgen. Die Erfolgsraten liegen bei 60 % Besserung und Heilung.

2.) Überaktive Blase (Overactive Bladder, OAB; Dranginkontinenz)

Ein Symptom der überaktiven Blase ist die sogenannte Pollakisurie (> 8 Blasenentleerungen in 24 Stunden). Weitere Symptome sind der imperative Harndrang (der Harndrang ist stark und nicht aufschiebbar) sowie die Nykturie (nächtliches Wasserlassen). Eine Inkontinenz muss nicht zwingend auftreten – in diesem Zusammenhang spricht man von der „overactive bladder wet“ und „overactive bladder dry“.
Am Anfang der Therapie steht ein Blasentraining (bladder drill). Dabei versuchen die Patientinnen, nicht jedem Drang nachzugeben, sondern den optimalen Zeitpunkt für den Toilettengang zu finden. Sie versuchen, gleichmäßig zu trinken, aber die Abstände zwischen den Toilettengängen durch ein aktives Unterdrücken des Harndrangs zu verlängern. Zudem wird eine Lebensstiländerung mit folgenden Verhaltensänderungen empfohlen: Reduktion der Trinkmenge, mindestens 2 h vor dem Schlafengehen keine Flüssigkeitsaufnahme mehr, Trinkmenge gleichmäßig über den Tag den verteilen, Reizstoffe meiden (Nikotin, Pfeffer, Chili, scharfe Gewürze) und Verstopfung meiden.
Eine Beckenbodenüberaktivität kann durch eine Elektrostimulationstherapie positiv beeinflusst werden. Die dadurch erzielte Neuromodulation mit Stimulation des Nervus pudendus kann reflektorisch zu einer Linderung der Drangbeschwerden führen. Insbesondere bei der Dranginkontinenz gehört eine vaginale Östrogenisierung zur Basistherapie.
Die führende primäre medikamentöse Therapie der Dranginkontinenz ist die anticholinerge Therapie. Diese dämpft die unwillkürlichen Kontraktionen des Blasenmuskels. Je nach Präparat kann eine Reduktion der Drang- und Inkontinenzepisoden um 60–70 % erreicht werden. Es kommt eine Mono- oder Kombinationsbehandlung mit den genannten Alternativen (lokale Östrogene, „bladder drill“, Elektrostimulationstherapie/Biofeedback) zur Anwendung, wobei eine Kombinationstherapie effektiver ist als eine Monotherapie. Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit (10 %), Obstipation, trockene Augen und Glaukomanfall, aber auch Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) wie Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen, Schläfrigkeit und Nervosität sind ein häufiger Grund für einen Therapieabbruch. Um seine Wirkung entfalten zu können, sollte das Anticholinergikum für 4-6 Wochen eingenommen werden.

Seit 2015 ist Mirabegron (β3-Adrenozeptoragonist) in der EU zugelassen. Es wirkt über selektive Bindung an die für die Blasenspeicherung verantwortlichen β3-Rezeptoren. Es kommt zur Entspannung des Blasenmuskels und somit zur Reduktion der Dranginkontinenz und Miktionsfrequenz bei Erhöhung der Blasenspeicherkapazität. Die übliche Dosierung von Mirabegron beträgt 50mg/Tag. Nebenwirkungen sind Bluthochdruck, Tachykardie und Vorhofflimmern. Dieses Medikament ist auch bei Glaukom in der Anamnese der Patientin zugelassen. Es zeigt sich eine deutlich bessere Compliance der Patientinnen unter Therapie mit Mirabegron wegen der reduzierten Nebenwirkungen (zugelassen nach frustraner cholinerger Therapie).
Nach frustraner konservativer Therapie der Dranginkontinenz, bei ausgeprägten Nebenwirkungen oder bestehenden Kontraindikationen für eine anticholinerge Therapie gibt es eine Therapiemöglichkeit mit der sakralen Neurostimulation/-modulation (SNS). Dabei handelt es sich um einen Blasenschrittmacher, der elektrische Impulse an den 3. oder 4. Sakralnerv abgibt.
Auch die operative Instillation von Botulinumtoxin in 20-30 Areale der Blasenwand ist eine Therapieoption.

3.) Mischharninkontinenz

Bei der Mischharninkontinenz liegen Symptome der Belastungs-und Dranginkontinenz vor. Meist ist eine der beiden Formen besonders stark ausgeprägt. Es gibt Physiotherapeuten/-innen, deren Tätigkeit schwerpunktmäßig den Beckenboden als „Zielorgan“ beinhaltet. Eine Liste diesbezüglich findet sich unter:
ag-ggup.de/therapeutenliste/therapeutenliste-beckenboden/

Sollten Sie Fragen haben sprechen Sie uns jederzeit an.

Vulvodynie

Bei der Vulvodynie kommt es im Bereich der Vulva (die Vulva umfasst die großen und kleinen Schamlippen sowie den Scheidenvorhof mit dem Scheideneingang und dem Jungfernhäutchen) zu chronischen Schmerzen für mindestens 3 Monate ohne Nachweis einer gynäkologischen oder dermatologischen Ursache. Eine Unterform der Vulvodynie ist die Vestibulodynie. Bei dieser ist der Scheidenvorhof von den Symptomen betroffen. Unterschieden werden auch eine generalisierte, die gesamte Vulva betreffende Form, sowie eine provozierte Form, bei der die Beschwerden nach Berührung auftreten. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen dem Teenager-Alter und dem 25. Lebensjahr, aber auch ältere Frauen können an einer Vulvodynie leiden. Es wird angenommen, dass 10-30 % der Frauen betroffen sind. Bis zur Diagnosestellung vergehen oft viele Jahre. Es bestehen häufig Beschwerden ausgelöst durch das Wasserlassen, die Regelblutung oder durch vaginalen Ausfluss.

Verschiedene Erkrankungen finden sich gehäuft bei Vulvodynie-Patientinnen – dazu gehören u.a. das Reizdarm-Syndrom, Unterbauchschmerzen, Endometriose, Kopfschmerzen, interstitielle Zystitis, Fibromyalgie, Zähneknirschen und Angststörungen. Nicht selten kam es in der Vorgeschichte zu einem sexuellen Missbrauch. Ursächlich geht man von einem multifaktoriellen Geschehen aus, als Auslöser kommen vulvovaginale Infektionen mit wiederholten lokalen Behandlungen in Betracht.
Die Frauen beschreiben ihre vulvären Symptome beispielsweise als „Schmerz wie Feuer“, „Schmerz wie ein Messerstich“ oder „stechende Nadeln“.

Im Alltag zeigt sich ein Schmerz bei Berührung des Scheidenvorhofes oder bei Penetration der Scheide (Geschlechtsverkehr, Tampon, Finger). Eine Rötung im betroffenen Vulvabereich kann auftreten, ist aber ein unsicheres Kriterium. Infektionen, neurologische, dermatologische und neoplastische Erkrankungen sollten ausgeschlossen sein.
Die Therapie ist komplex. In ca. 20 % verschwindet die Vulvodynie spontan. Oft erfolgten unnötige und schmerzauslösende Therapien gegen Pilze, Bakterien oder Viren. Diese sollten beendet werden. Der Anogenitalbereich sollte lediglich mit Wasser gesäubert werden. Eine rückfettende Hautpflege wird empfohlen. Neben lokalen medikamentösen Therapien kommt auch eine systemische antidepressive oder neuroleptische Therapie in Betracht. Ferner existieren psychosomatische, sexualmedizinische und operative Therapieoptionen.

Im Folgenden sehen Sie verschiedene Therapieoptionen:

Therapiekonzept der Vulvodynie
Medikamentöse Therapie bei Vulvodynie

Haben Sie weitere Fragen zur Vulvodynie zögern Sie nicht uns anzusprechen!

Lichen

Beim Lichen handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, welche die Haut von Vulva und Anus betrifft und in Schüben verläuft. In selteneren Fällen kann auch die Falte unter der weiblichen Brust betroffen sein. Betroffen sind ca. 0,1 % der Kinder und 3% der 80-jährigen Frauen. Bei betroffenen Mädchen kommt die Erkrankung in einem Viertel der Fälle bis zur Pubertät meist zum Stillstand. Eine konsequente und frühe Behandlung kann die Narbenbildung in Folge eines Lichen im Bereich der Vulva deutlich reduzieren. Die Häufigkeit von Vulvakrebs ist bei Frauen mit einem Lichen erhöht.
Ursächlich nimmt man ein Zusammenspiel aus genetischen , hormonellen, infektiösen und traumatischen Ursachen an. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen und die Rheumatoide Arthritis treten bei Frauen mit einem Lichen gehäuft auf.

Klassisches Symptom des Lichen ist ein chronischer Juckreiz im Bereich der Vulva und des Anus. Durch Vernarbungen am Kitzler und den kleinen Schamlippen kann es zu einer Verengung des Scheideneinganges und in der Folge zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr kommen. Klassisch treten weißliche Flecken im Bereich der Vulva und des Anus auf („figure of eight“ um Anus und Vulva). Oft verkleben die kleinen mit den großen Schamlippen. Die Klitorisvorhaut (Praeputium clitoridis) kann in der Folge eines Lichen die Klitoriseichel (Glans clitoridis) bedecken. Kommt es zu einer Verengung des Harnröhrenausganges, kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommen. Weitere mögliche Symptome sind Verhärtungen, Einrisse und ein Wundheitsgefühl.
Differentialdiagnostisch kommen Erkrankungen wie eine Psoriasis, ein Ekzem, eine Candida-Infektion oder ein Lichen planus in Betracht.

Meist lässt sich die Diagnose anhand des klinischen Bildes und der Symptome stellen. In unklaren Fällen erfolgt für die feingewebliche Diagnostik nach einer lokalen Betäubung die Entnahme einer kleinen Hautprobe.
Der Lichen ist nicht heilbar, medikamentös aber gut zu behandeln. Mehrfach täglich sollten betroffene Areale mit fetthaltigen Salben behandelt werden. Seifen, vaginale Spülungen und feuchtes Toilettenpapier sollten gemieden werden. Auch sollte auf eng anliegende Kleidung verzichtet werden. Fahrradsattel sollten weich sein. In den ersten 12 Wochen nach Diagnosestellung erfolgt die einmal tägliche Anwendung einer Cortison-Creme an den betroffenen Arealen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie in Form einer zwei Mal wöchentlichen Anwendung. Die meisten Frauen erfahren darunter bereits eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden. Sollte die Cortison-Therapie keinen Erfolg zeigen, kommen weitere medikamentöse Therapieschritte in Frage.

Sprechen Sie uns bei Fragen jederzeit gerne an.

Acne inversa

Acne inversa (Hidradenitis suppurativa) ist eine chronische, entzündliche Erkrankung an Terminalfollikeln von Hautumschlagfalten, mit Auftreten von eitrigen Abszessen und Knoten im Bereich der Achselhöhlen, Leisten und im Anogenitalbereich (Intimbereich, Gesäß). Meist tritt die Erkrankung bis zum 30 Lj. auf. Das betroffene Gewebe schmerzt, ist geschwollen, gerötet und oftmals entzündet. Die eitrigen Abszesse sind sehr schmerzhaft, heilen sehr langsam ab und weisen eine hohe Krankheitslast auf. Bei lang bestehender Acne inversa können Komplikationen wie Erysipel, Phlegmone, Lymphödem, Strikturen und Fisteln auftreten. Häufig leiden Patientinnen zusätzlich an Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Pyoderma gangränosum.

Acne inversa ist seit 1839 bekannt, bis zur Diagnose vergehen aber im Durchschnitt 7 Jahre. Circa 2 % der Bevölkerung sind betroffen. Frauen sind bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer.

Acne inversa wird in drei Schweregrade kategorisiert (Hurley 1, 2 und 3). In Stadium 3 kommt es neben starken Schmerzen auch zur Narbenbildung, diese kann die Beweglichkeit einschränken.
Die genaue Ursache der Acne inversa ist nicht geklärt. Es wird angenommen, dass eine Verhornungsstörung der Haarfollikel zu einem Verschluss des Ausführungsganges führt und damit für die Acne inversa ursächlich ist. Oft sind auch Familienangehörige betroffen. Im weiteren Verlauf reißt der Haarfollikel unter der Hautoberfläche ein, woraufhin es zu schmerzhaften Entzündungen kommt.

Leider, trotz aller medizinischen Fortschritte ist Acne inversa nicht heilbar. Mit verschiedenen Therapiemaßnahmen (medikamentös, operativ und Lasertherapie) kann man aber eine Linderung der Beschwerden erreichen. Durch eine Lebensstilanpassung kann man Einfluss auf die Symptome und Schubhäufigkeit nehmen – Vermeidung von mechanischen Irritationen (keine enganliegende Kleidung, keine synthetischen Stoffe), Vermeidung von Nassrasuren (Gefahr von Mikroläsionen und deren bakterieller Besiedlung), Stressreduktion und lokale Desinfektion der betroffenen Hautpartien sind konservative Therapieoptionen. Auch die Gewichtsreduktion bei vorhandenem Übergewicht und Reduktion bzw. Stopp des Rauchens können zu einer Verbesserung der Symptome beitragen und die Schubfrequenz reduzieren. Zugelassene Medikamente für die Behandlung der Acne inversa existieren nicht. Es kommen beispielweise Antibiotika in Form von Tabletten oder zum Auftragen auf betroffene Areale in Betracht. Auch operative Therapieoptionen existieren.

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Blutungsstörungen

Als Blutungsstörungen bezeichnet man abweichende Menstruationsblutungen bzw. Störungen in Zeitpunkt, Häufigkeit und Stärke der Blutung. Hierbei unterscheidet man Regeltempostörungen (wechselnde Abstände der Blutungen) von Regeltypusstörungen (Schwankung in Stärke der Blutung). Es kann auch passieren, dass die Blutung komplett ausbleibt.

Auflistung der Fachbegriffe für Blutungsstörungen:
  • Amenorrhoe = komplettes Ausbleiben der Blutung
  • Hypermenorrhoe = zu starke Blutung
    • > 80 ml Blutverlust bzw > 5 Tampons bzw. Binden/Tag
  • Oligomenorrhoe = zu schwache Blutung
  • Metrorrhagie = Zwischenblutung, azyklische Blutung
  • Polymenorrhoe = verkürztes Regelintervall
    • Blutungsfreies Intervall < 25 Tage
  • Menorrhagie = anhaltende vaginale Blutung > 7 Tage
  • Schmierblutung in der 2. Zyklushälfte (Lutealinsuffizienz)
Für die verschiedenen Blutungsstörungen gibt es unterschiedliche Ursachen.
Amenorrhoe, Oligomenorrhoe:
  • Hormonelle Faktoren (Ernährung, sportliche Aktivität, Tumore, anovulatorische Zyklen, PCO- Syndrom)
  • Psychische Faktoren (Stress, Krankheit)
  • Organische Ursachen (Ashermann-Syndrom: Verklebung der Gebärmutterschleimhaut; Ovarialzysten)
  • Medikamente
  • Schilddrüsen-Funktionsstörungen
Hypermenorrhoe, Polymenorrhoe:
  • Hormonelle Faktoren (hormonbildende Tumore)
  • Organische Ursachen (zu hoch aufgebaute Gebärmutterschleimhaut, Polypen, Myome, Krebs, Wechseljahre)
Metrorrhagie, Lutealinsuffizienz:
  • Hormonelle Faktoren (Gelbkörperschwäche, Progesteronmangel, PCO-Syndrom, Wechseljahre, Ovarialzysten)
  • Organische Ursachen (Polypen, Myome, Krebs)
  • Schilddrüsen-Funktionsstörungen

Diese Auflistung hat nicht den Anspruch alle Ursachen von Blutungsstörungen abzubilden, sondern soll einen Überblick geben.

Therapeutisch gibt es unterschiedliche Ansätze abhängig von der jeweiligen Blutungsstörung. Es gibt konservative/ medikamentöse Therapieansätze sowie invasive/ operative Ansätze (z.B. eine Ausschabung oder Myom-Entfernung. Wir versuchen für Sie die optimale Behandlungsmöglichkeit zu finden.

Ovarialtumore: Eierstocktumore

Der Eierstock besteht aus verschiedenen Geweben (Epithel, Keimzellen, Stroma, Keimstranggewebe), aus denen sich gutartige sowie bösartige Tumore bilden können. Die Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen. Von Beschwerdefreiheit bis hin zu Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen etc..

Bei einer Frau im gebärfähigen Alter ohne hormonelle Verhütung entsteht jeden Monat eine Eierstockzyste aus der die reife Eizelle freigesetzt wird. Hierbei handelt es sich um die Ovulation bzw. den Eisprung in der Mitte des Zyklus. Manche Frauen nehmen dieses als Mittelschmerz wahr. Ein Krankheitswert besteht dabei nicht. Bei Beschwerden wie Blutungsstörungen oder Unterbauchschmerzen besteht für uns als niedergelassene Gynäkologen die Indikation zum Ultraschall. Dabei können beispielsweise Tumore (in den meisten Fällen gutartig) an den Eierstöcken gesehen werden. Im Ultraschall werden die Tumore ausgemessen und nach bestimmten Kriterien beurteilt, welche bereits eine Einordnung Richtung gutartig/ bösartig erlauben. Endgültig lassen sich Tumore am Eierstock erst nach operativer Entnahme und anschließender pathologischer Beurteilung sicher klassifizieren.

Natürlich muss nicht jede Eierstockzyste operativ entfernt werden. Sofern vom Ultraschall keine suspekten Kriterien zur Darstellung kommen und die Beschwerden es zulassen, ist ein abwartendes Vorgehen oder ein medikamentöser Behandlungsversuch möglich.

Bei großen Eierstocktumoren kann es zu einer Torquierung/ Verdrehung des Eierstockes kommen. Dieses äußert sich mit akuten, starken Unterbauchbeschwerden. In diesem Fall erfolgt eine umgehende Bauchspiegelung.

Ein besonderes Krankheitsbild, die Endometriose, sorgt gehäuft für die Entstehung von Zysten am Eierstock. In einem anderen Beitrag auf unserer Seite gehen wir genauer auf die Endometriose ein.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an!