AdobeStock_326424993_Preview

Gynäkologische Krebsvorsorge

Krebsfrüherkennungs-Richtlinie


Jede gesetzlich versicherte Patientin hat das Anrecht auf eine jährliche Früherkennung von Krebserkrankungen des Genitales ab dem 20. Geburtstag, zusätzlich der Brust ab dem 30. Geburtstag sowie zusätzlich der Brust in Form der Mammographie alle 2 Jahre von 50- bis Ende des 70 Lebensjahres.

Das Ziel der regelmäßigen, jährlichen Vorsorge ist, eine Krebserkrankung und deren Vorstufen so früh wie möglich zu erkennen.

Eine vorsorgliche Ultraschalluntersuchung der Brüste oder der inneren Geschlechtsorgane zur Brust-, Gebärmutterschleimhaut-, Eierstockkrebsfrüherkennung gehört nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese Untersuchungen können Sie bei Bedarf als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL; diese bezahlt die Krankenkasse nicht) in unserer Praxis wahrnehmen.

Zur gynäkologischen Krebsvorsorge der gesetzlich krankenversicherten Patientin gehören je nach Alter die folgenden Leistungen:

  • Ab dem Alter von 20
    • gezielte Anamnese
    • Betrachtung der genitalen Hautregion
    • Tastuntersuchung der inneren weiblichenGenitalorgane
    • Betrachtung des Gebärmutterhalses
    • Befundmitteilung mit anschließender diesbezüglicher Beratung
  • Ab dem Alter von 30 zusätzlich
    • Tastuntersuchung und Inspektion beider Brüste und zugehöriger Lymphknoten und Empfehlung zur regelmäßigen Selbstuntersuchung
  • Ab dem Alter von 50  zusätzlich
    • Mammographie-Screening alle 2 Jahre ab
    • dem Alter von 50 Jahren bis zum Ende des 70. Lebensjahres
    • rektale Tastuntersuchung z.A. eines Enddarm-Tumors
    • Vom 50 Geburtstag bis zum Ende des 55 Lebensjahres   
    • Anspruch auf die jährliche Durchführung eines
    • Immunologischen Stuhltestes. Dieser kann nicht-ersichtliches    
    • Blut im Stuhl nachweisen – sollte der Test positiv ausfallen, ist zum Ausschluss eines Dickdarmkrebses eine Darmspiegelung zu empfohlen
  • Ab dem 55. Geburtstag Anspruch auf 2 Darmspiegelungen
    • (Koloskopie) mit einem Mindestabstand von 10 Jahren
    • ab dem Alter von 65 Jahren durchgeführte Koloskopie zählt
    • als zweite Koloskopie)
    • alternativ zweijährliche Durchführung eines immunologischen
    • Stuhltests auf verstecktes Blut im Stuhl

Gebärmutterhalskrebs


Allgemein

Es gibt zwei Altersgipfel: 30 bis 55 Lebensjahr und > 70. Lebensjahr.

Jährlich sterben in Deutschland etwa 1.600 Frauen an Gebär­mutter­hals­krebs.

Die Patientinnen erkranken, im Vergleich zu anderen gynäkologischen Krebsarten, jung (mittleres Erkrankungsalter 53. Lebensjahre).

Risikofaktoren

Der wichtigste Risikofaktor ist die Infektion mit den sexuell übertragbaren humanen Papillomviren (HPV). Eine asympto­matische HPV-Infektion ist häufig, heilt jedoch meist ohne Folgen aus. Durch eine anhaltende Infek­tion mit Hoch­risiko­viren (v.a. HPV 16 und 18) kann sich ein Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Bei regelmäßiger Vorsorge werden Vorstufen rechtzeitig erkannt.

Weitere Risikofaktoren sind: Rauchen, Co-Infektionen mit z.B. Herpes-simplex, Chlamy­dien, früher Beginn der sexuellen Aktivität, ungeschützter Geschlechtsverkehr, Anzahl an Sexualpartnern sowie ein geschwächtes Immun­system (z.B. bei HIV).

Früherkennung

Das gesetz­liche Früh­erken­nungs­programm sieht für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren eine jähr­liche gynäko­logische Unter­suchung und einen jähr­lichen Zellabstrich vom Gebär­mutter­hals (PAP-Abstrich) vor. Seit Anfang 2020 wird für Frauen ab dem 35 Geburtstag zusätzlich zur jähr­lichen gynäko­logischen Unter­suchung alle drei Jahre ein PAP-Abstrich sowie HPV-Test angeboten

Prävention des Gebärmutterhalskrebses

Seit 2006 steht eine primärpräventive Maßnahme zur Vorbeugung des Gebärmutterhalskrebses in Form einer Impfung zur Verfügung. Die STIKO empfiehlt die prophylaktische HPV-Impfung für Jungen und Mädchen im Alter von 9-14 Jahren mit der Möglichkeit einer Nachholimpfung bis zum 17 Lebensjahr.Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung (ca. 500 Euro) auch weit über das 18 Lebensjahr hinaus.

Der  HPV- Impfstoff Gardasil-9 schützt vor einer Infektion durch die HPV-Typen 6,  11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58.

Wir beraten und impfen Sie bei Bedarf gerne in unserer Praxis.

Kolposkopie


In Deutschland erkranken jährlich ca. 4000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs.

Falls sich in Ihrem Abstrich Auffälligkeiten zeigen, erfolgt zu vorgegebener Zeit ein Kontrollabstrich oder eine mikroskopische Betrachtung des Gebärmutterhalses (Kolposkopie) im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung.

Bei der Kolposkopie wird der Muttermund mit stark verdünnter Essigsäure sowie Jod betupft. Aus sich dabei abzeichnenden auffälligen Bereichen werden Gewebeproben gewonnen und durch einen Pathologen untersucht. Die Untersuchung ist für die Patientinnen in der Regel wenig schmerzhaft. Das Ergebnis und die daraus folgende Konsequenz besprechen wir persönlich mit Ihnen.

Durch das Zervixkarzinom-Screening (Abstrichentnahme vom Gebärmutterhals) konnte die Häufigkeit des Gebärmutterhalskrebses stark reduziert werden.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass das humane Papillomavirus (HPV) maßgeblich für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, Feigwarzen sowie Krebs am Anus, Vulva, Kehlkopf und Penis verantwortlich ist. Für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs stellt HPV den Hauptrisikofaktor dar. HPV ist eine sexuell übertragbare Virusinfektion und verläuft asymptomatisch.

Der seit 2015 zugelassene Impfstoff Gardasil 9 schützt vor zwei Feigwarzen auslösenden Viren sowie vor sieben Hochrisiko-Viren, die für die Krebsentstehung verantwortlich sind. Die Impfung ist für Jungen und Mädchen ab dem 9. Geburtstag zugelassen.

Sie sehen eine Vergrößerungsaufnahme des Gebärmutterhalses und mittels Essigsäure dargestellte Veränderungen durch HPV-Viren – aus den veränderten Bereichen werden Proben entnommen.

Gebärmutterschleimhautkrebs


Allgemein

Der Gebär­mutter­körperkrebs (Korpus- oder Endo­metrium­karzinom) ist die fünft­häufigste Krebs­erkran­kung der Frau und die häufigste der weiblichen Genital­organe.

Eine von 50 Frauen erkrankt im Laufe des Lebens an Gebär­mutter­körper­krebs- das mittlere Erkran­kungs­alter liegt bei 68 Jahren.

Histologisch sind die Krebs­erkran­kungen des Gebär­mutter­körpers meist von der Schleimhaut der Gebär­mutter ausgehende Adeno­karzi­nome.

Circa 65 % der Karzinome werden im frühen Stadium (Stadium I) diagnosti­ziert.

80% der Gebärmutterkarzinome sind hormonabhängig.

Risikofaktoren

Langfristiger Östrogeneinfluss wie z. B. als Folge einer frühen ersten Regelblutung (Menarche), Kinderlosigkeit, einer späten letzten Regelblutung (Menopause) oder Erkrankungen der Eierstöcke (PCOS= Polyzystisches Ovarialsyndrom). Auch Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus Typ 2 und eine Tamoxifen-Einnahme sind Risikofaktoren. Eine Östro­gen-Mono­thera­pie in den Wechsel­jahren steigert das Risiko, die Kombi­nation mit Gesta­genen wirkt dem entgegen. Orale Kontra­zeptiva (»Pille«), insbe­son­dere Östrogen-Gestagen-Kombi­nationen, senken das Risiko. Beim hereditären non-polypösen Kolonkarzinom“ (HNPCC, auch: Lynch-Syndrom) handelt es sich um die häufigste Ursache für den erblich bedingten Dickdarmkrebs. Zudem besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere Tumorerkrankungen wie Gebärmutterkörperkrebs, Eierstockkrebs, Dünndarmkrebs und Magenkrebs.

Früherkennung

Eine vaginale Ultraschalluntersuchung ist zur Früherkennung des Gebärmutterschleimhautkrebses von Seiten des Gesetzgebers nicht vorgesehen. Im Bedarfsfall ist diese eine Selbstzahlerleistung. Sprechen Sie uns bei Interesse an.

Symptome

Erstes Symptom ist meist eine postmenopausale Blutung – eine vaginale Blutung nachdem bereits 12 Monate keine Blutung mehr aufgetreten ist

Diagnostik

Eine vaginale Ultraschalldiagnostik liefert oft einen ersten Verdacht.

Der Goldstandard der Diagnostik ist jedoch eine Gebärmutterspiegelung mitsamt einer Ausschabung und feingeweblichen Untersuchung des gewonnenen Materials.

Eierstockkrebs


Allgemeines

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 8.400 Frauen an einem Krebs der Eierstöcke.

Eierstockkrebs ist die siebthäufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.

Circa eine von 76 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eier­stock­krebs.

Erkrankungs- und Sterbe­raten am Eierstockkrebs nehmen in Deutschland seit der Jahr­tausend­wende weiter deutlich ab, auch die absoluten Zahlen der Neu­erkran­kungen sind rückläufig.

Das mittlere Erkrankungs­alter liegt bei 69 Jahren.

Aufgrund der häufig erst in spätem Stadium gestellten Diag­nose (76 Prozent im Stadium III/IV) sind die Über­lebens­aus­sichten von Patien­tinnen mit Eier­stock­krebs schlecht.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren gehören Kinderlosigkeit, eine frühe erste Regelblutung, ein spätes Eintreten der Wechseljahre und eine Hormonersatztherapie nach der Menopause, besonders bei Östrogen-Monotherapie. Auch das Alter und eine Adipositas sind Risikofaktoren. Ferner gibt es genetische Veränderungen (BRCA I, BRCA II), welche die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich erhöhen.

Mit steigender Anzahl an Geburten, langem Stillen, der Pillen-Einnahme und nach Sterilisation der Frau sinkt das Erkrankungsrisiko!

Früherkennung

Ein Ultraschall zur Früherkennung des Eierstockkrebses ist von Seiten des Gesetzgebers nicht vorgesehen, dieser ist als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung, Selbstzahlerleistung) möglich

Symptome

Symptome wie z.B. eine Bauchumfangszunahme zeigen sich oft erst in spätem Stadium.

Die 5-Jahres-Überlebensrate ist daher, stadienabhängig, meist gering.

Brustkrebs


Allgemein

Brust­krebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau (Neuerkrankungen in Deutschland 2019 circa 71.000).

1 von 8 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brust­krebs. Etwa ein Prozent aller Neu­erkrankungen betrifft Männer.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren zählen Über­gewicht, Be­wegungs­mangel, Rauchen und Alkoholkonsum. Auch eine frühe erste und eine späte letzte Regel­blutung, Kinder­losig­keit, höheres Alter bei der ersten Geburt, Hormonersatztherapie und die Einnahme der Pille. Veränderungen in den Genen BRCA1/BRCA2 (und anderen) sind für 5-10 % der Brustkrebsfälle verantwortlich. Brustkrebs tritt bei Mutationen in den Genen BRCA1/BRCA2 mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 %, Eierstockkrebs mit einer Wahrscheinlichkeit von 53 % im Laufe des Lebens auf. Ob eine genetische Belastung wahrscheinlich ist, können Sie über die folgende Checkliste eruieren – ab einem Score von oder > 3, kann eine genetische Analyse zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse über eine Blutentnahme erfolgen. Zeigt die genetische Analyse Risikogene, ist folgendes im Rahmen der Früherkennung empfohlen:

  • Ärztliche Tastuntersuchung beider Brüste ab dem 25. Geburtstag halbjährich
  • Ultraschall beider Brüste ab dem 25. Geburtstag halbjährlich
  • Mammographie ab dem 30. Geburtstag jährlich
  • MRT beider Brüste ab dem 25. Geburtstag jährlich (bis 55 Jahre)
  • Bei BRCA-Mutationsträgerinnen ist eine prophylaktische Entfernung von Eileiter/Eierstöcken ab dem ca. 40 Lebensjahr empfohlen; ggf. auch eine prophylaktische Entfernung beider Brüste (ggf. auch Wiederaufbau der Brüste)

Früherkennung

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm fängt ab dem 30. Geburtstag mit der jährlichen Tastuntersuchung der Brüste beim Frauenarzt/-ärztin an.  Ab 50 Jahren bis zum vollendeten 69. Lebensjahr erfolgt alle 2 Jahre die Einladung zu einer Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brüste).

Darmkrebs


Allgemeines

Jede achte Krebserkrankung in Deutschland betrifft den Dickdarm. Bei Frauen in Deutschland ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung, im Jahr 2019 erkrankten daran etwa 26.266 Frauen. Die Hälfte der Patien­ten er­kranken jenseits des 70. Lebens­jahres, nur etwa 10 Prozent der Krebs­erkran­kungen treten vor dem 55. Lebens­jahr auf.

Risikofaktoren

90% der Darmkrebsfälle treten nach dem 50. Lebensjahr auf. Neben dem Alter gehören Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung (fett- und fleischreich, ballaststoffarm), Rauchen und Alkoholkonsum sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn) zu den Risikofaktoren. Ferner vererbbare Darmkrebsformencwie die familiäre adenomatöse Polyposis und das vererbbare nicht-polypöse Kolonkarzinom (HNPCC -auch: Lynch-Syndrom) – letzteres ist die häufigste Ursache für den erblich bedingten Dickdarmkrebs. Zudem besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere Tumorerkrankungen (Endometriumkarzinom, Ovarialkarzinom, Dünndarmkarzinom, Magenkarzinom, Urothelkarzinom, Gallengangskarzinom, Pankreaskarzinom, Hirntumore, Hauttumore (Muir-Torre-Syndrom).

Früherkennung

Im Alter von 50 bis 54 Jahren kann jährlich ein immunologischer Test auf verstecktes Blut im Stuhl (iFOBT, immunologischer fäkal okkulter Bluttest) durchgeführt werden. Ab dem 55. Lebensjahr sieht das gesetz­liche Früh­erkennungs­programm 2 Darm­spiegelungen (Kolos­kopie) mit einem Abstand von 10 Jahren im Leben vor. Dabei können gegebenen­falls Darm­polypen ent­fernt werden, die sich zu Krebs ent­wickeln könnten. Bei un­auffälli­gem Befund kann nach 10 Jahren, ab einem Alter von 65 die zweite, sogenannte Wieder­holungs­kolos­kopie, erfolgen. Oder alternativ ab einem Alter von 55 Jahren, bei Frauen, die keine Darmspiegelung möchten, alle zwei Jahre ein immu­no­lo­gischer Test auf versteck­tes Blut im Stuhl durchge­führt werden. Bei jedem positiven Stuhl-Schnelltest wird eine Abklärung durch Koloskopie dringend empfohlen. Hinter einem positiven Test stecken oft Hämorrhoiden oder Adenome. Adenome können über Jahre in Krebs übergehen, deswegen werden sie während der Koloskopie mittels einer Schlinge vorsorglich entfernt.